Gelöschte szene aus 'Brisanter Auftrag'

SEAL Team 11, Afghanistan                                                      PDF

 

Cat blickte sich in dem kleinen Hangar um und suchte nach Devils vertrauter Gestalt. Sie hatten verabredet, sich hier zu treffen, um dann zusammen Richtung Heimat zu fliegen. Doch bisher war Devil noch nicht aufgetaucht. Doc und Q waren bereits in Deutschland, deshalb waren sie nur zu viert, er selbst, Snake, Gimmick und Jackie. Letztere beide waren dick verbunden und hätten eigentlich auch mit einem Sanitätsflugzeug transportiert werden sollen, aber sie hatten sich geweigert. Wo war Devil, verdammt noch mal? Das Flugzeug würde in fünf Minuten losfliegen.
    Genervt zog er sein Handy heraus und rief seinen CO an. Sofort meldete sich die Mailbox. Cat sprach eine kurze – und deutliche – Nachricht darauf, dann beendete er die Verbindung und wählte erneut. Als Matt sich meldete, fiel Cat ihm ins Wort. „Weißt du, wo Devil ist?“
Seine Finger krampften sich um das Gehäuse, als Matt kurz schwieg. „Nein. Ist er nicht bei euch?“
    „Würde ich dann nach ihm fragen?“ Cat atmete tief durch, als er erkannte, dass er ungerecht war. „Entschuldige. Hast du mit Devil gesprochen?“
    „Ja. Ich glaube, er befürchtet, dass die TURT/LE-Agentin in Gefahr sein könnte. Er hat zwar nicht gesagt, was er vorhat, aber er meinte, er wäre noch nicht transportfähig. Ich könnte mir vorstellen, dass er einen Weg gefunden hat, noch nicht nach Hause fliegen zu müssen.“
    „Verdammt!“ Cat rieb über seine kurzrasierten Haare. „Okay, ich werde sehen, dass zumindest Snake und ich auch hierbleiben.“
    „Das kannst du nicht machen. Ihr habt eindeutige Befehle, Cat. Wenn ihr nicht in das Flugzeug steigt, seid ihr offiziell AWOL. Du weißt, was das für eure weitere Karriere bedeutet.“
    Das wusste er nur zu gut. „Aber wir können ihn doch nicht einfach im Stich lassen! Es war schlimm genug, ihm während des Kampfes nicht helfen zu können und zu wissen, dass er sich für uns opfert. Du weißt, dass Devil dazu neigt, Alleingänge zu machen und gar nicht auf die Idee kommt, um Hilfe zu bitten. Und diesmal ist er verletzt und nach den Erlebnissen vielleicht auch psychisch belastet. Es ist Irrsinn, alleine hier zu bleiben.“ Ein Blick in die Gesichter der anderen zeigte ihm, dass sie genauso dachten.
    „Ich verstehe dich, Cat. Aber in dem Fall ist es wirklich besser, wenn ihr zurückkommt, das Team ist größtenteils verletzt und nicht einsatzbereit.“
    „Snake und ich können ...“.
    Matt unterbrach ihn. „Wenn Devil nicht gefunden werden will, bringt es gar nichts, wenn ihr eure Karriere dafür opfert.“
    „SEALs lassen kein Teammitglied im Stich!“
    „Das ist mir völlig bewusst. Und das werden wir auch nicht. Team 8 ist bald vor Ort, ich werde mit Clint sprechen und dafür sorgen, dass sie Devil unterstützen, wenn es nötig sein sollte.“ Matts Stimme wurde sanfter. „Sei vernünftig, Cat. Es würde das ganze Team zerreißen, wenn ihr rausgeworfen werdet.“
    Und damit hatte Matt das einzige Argument gebracht, das bei Cat zog. Was er wahrscheinlich genau wusste, schließlich kannten sie sich bereits seit etlichen Jahren. „Mir gefällt das nicht.“
    „Mir genauso wenig, das kannst du mir glauben. Aber Devil hat seine Entscheidung getroffen, und er will sicher nicht, dass ihr dafür bezahlt.“
Cat drehte sich um und blickte zum Eingang des Hangars, in der Hoffnung, dass Devil doch noch auftauchte. Aber er kam nicht. „Okay. Aber wenn diesem sturen Bock was passiert, werde ich ernsthaft sauer.“
    Ein Lachen drang durch die Leitung. „Nicht nur du. An deiner Stelle würde ich ein ernsthaftes Gespräch mit Devil führen, wenn er wieder zurück ist.“
    „Das habe ich vor.“ Cat beendete das Gespräch und wandte sich dann wieder den Männern zu, die ihn angespannt beobachteten. Zwar hatten sie nicht gehört, was Matt gesagt hatte, aber sie konnten sich an seinen Antworten zusammenreimen, was geschehen war.
    Jackie war wie immer der erste, der sprach. „Habe ich das richtig verstanden? Devil kommt nicht?“
    „Es sieht so aus. Anscheinend hat er es so gedreht, dass er noch hierbleiben kann.“
    „Warum sollte er das wollen? Er glaubt doch wohl nicht, dass er ohne sein Team viel ausrichten kann?“ Ärger schwang in Snakes Frage mit.
    „Er hat wohl das Gefühl, dass die Agentin in Gefahr sein könnte.“
    Das brachte alle für einen Moment zum Schweigen.
    „Dann müssen wir ihm helfen.“ Gimmicks Stimme war ruhig.
    Cat stieß einen stummen Seufzer aus. „Wir haben unsere Befehle und die lauten, dass wir sofort zurückkommen sollen. Noch dazu ist der Großteil des Teams außer Gefecht gesetzt.“ Er hob seine Hand, als Jackie etwas einwenden wollte. „Wir wissen auch nicht, wo Devil jetzt ist. Es könnte also sein, dass wir unsere Karriere als SEALs aufs Spiel setzen und ihn überhaupt nicht finden. Und wenn Devil unsere Hilfe gewollt hätte, hätte er danach gefragt.“
    Die anderen blickten ihn skeptisch an. Snake schnaubte. „Devil hat noch nie um irgendetwas gebeten, er dreht lieber sein eigenes Ding.“
    Insgeheim musste Cat ihm recht geben. „Matt wird mit Clint sprechen und ihn bitten, dass Team 8 einen Blick darauf behält und ihn zur Not unterstützt. Und so ungern ich das auch zugebe, es ist vermutlich besser, wenn ein frisches und vor allem vollständiges Team das tut.“
    Unbehagliches Schweigen herrschte, das nur zögernd gebrochen wurde.
Snake hatte die Arme über der Brust verschränkt. „Ich finde das trotzdem nicht richtig. Wir sollten bei ihm sein.“
    „Ist notiert. Und ich sehe es genauso, Snake. Trotzdem lautet meine Entscheidung, dass wir nach Hause fliegen.“ Cat verzog den Mund. „Und wenn Devil dann nachkommt, werden wir ihm sagen, was wir von seinen Alleingängen halten.“
    „Wenn er überlebt.“ Snake wartete keine Antwort ab, sondern schulterte seine Ausrüstung und ging zum Flugzeug.
    Cats Brustkorb zog sich zusammen. Sein Instinkt sagte ihm, dass Devil sie brauchen würde, aber er musste auch an das Team denken. Durch die vielen Verletzungen und Devils Alleingang stand das Weiterbestehen des Teams in den Sternen, er konnte nur hoffen, dass er es irgendwie zusammenhalten konnte. Ärger auf Devil stieg in ihm auf und er freute sich schon auf die Gelegenheit, ihm klar und deutlich die Meinung zu sagen, wenn er ihn das nächste Mal sah. Es würde ihn wirklich ärgern, wenn Devil sich vorher umbringen ließ.
    „Okay, los geht’s.“ In den Gesichtern der anderen konnte er die gleiche Unentschlossenheit erkennen, die sicher auch auf seinem lag. Aber diesmal konnten sie ihre Befehle nicht umgehen und damit davonkommen, so wie beim letzten Mal. Mit einer Mischung aus Schuldgefühl und Wut betrat Cat die Militärmaschine. Niemand sprach, während sie auf den Start warteten. Verdammt, Devil, wo zum Teufel bist du?



[Diese Szene stammt aus der Ursprungsfassung von 'Brisanter Auftrag und wurde gelöscht.]